Nachverlosung

Leider hat sich die ursprüngliche Gewinnerin nicht gemeldet und mit den angegebenen Daten konnte ich sie auch nicht erreichen, sondern habe nur eine Fehlermeldung bekommen. Deshalb habe ich jetzt noch einmal in den Lostopf gegriffen: die glückliche Gewinnerin ist nun: QUEEN OF HOME.

Du hast eine Mail bekommen und hast bis zum 17.5.2014 Zeit, Dich bei mir zu melden. Herzlichen Glückwunsch!

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…and the winner is…

Christinefrank2014mupfel!

Bitte schicke mir bis zum 9.5.2014 eine Mail mit deiner Adresse an

manu8833-info@yahoo.de.

Herzlichen Glückwunsch!

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Verlosung zum Welttag des Buches am 23. April

Der KochDieses Jahr beteilige ich mich auch an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“. Zu gewinnen gibt es das Buch „Der Koch von Martin Suter. Darin geht es um den tamilischen Asylbewerber Maravan, der mit seiner Kollegin ein Catering für Liebesmenüs eröffnet. Die Geschäftsidee kommt gut an.

Unter allen, die meinem Blog folgen, verlose ich dieses Buch. Als Bonus gibt es noch ein Kochbuch dazu. Teilnahmeschluss ist der 30. April 2014.

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Rennst du noch oder lebst du schon?

Meine Freundin hatte mich einfach mal angemeldet und so war ich heute beim Frauenfrühstück in Heringen-Kleinensee. Das Frühstücksbuffet war von Frauen der Landeskirchlichen Gemeinschaft Werratal liebevoll vorbereitet worden – damit auch alle kommen konnten, die Lust dazu hatten, stand eine Kinderbetreuung bereit – und der Vortrag der Referentin war ein echtes Erlebnis. Ich war nicht die Einzige, die sich am Ende gewünscht hat, mal eine Stunde in ihrem Matheunterricht zu sitzen.

Birgit Sych aus Berlin referierte zum Thema „Rennst du noch oder lebst du schon.“ Inhaltlich war es für die meisten wahrscheinlich nichts Neues. Aber es tut gut, sich immer mal wieder bewusst zu machen, wie man durch den Tag hetzt, welche „Zeitdiebe“ und „Krankheiten“ dafür sorgen, dass viele von uns so gestresst sind – und was man dagegen tun kann.

Gleich zu Beginn erinnerte Frau Sych daran, dass man von einem Vortrag sowieso das meiste schnell wieder vergisst. Deshalb sollte sich jede Zuhörerin EINE Idee merken und in ihren Alltag mitnehmen. Als Mutter von sieben Kindern, Koordinatorin von Frauenfrühstückstreffen, Referentin, Buchautorin und Organisatorin von Ehewochenenden hat Birgit Sych selbst einen ausgefüllten Zeitplan. Sie untermalte ihren lebendigen Vortrag immer wieder mit Beispielen aus ihrem eigenen Leben.

Passend zu meinem aktuellen Lieblingszitat von Astrid Lindgren: „…und dann muss man noch Zeit haben, um einfach nur dazusitzen und aus dem Fenster zu starren“ erzählte Frau Sych, dass vor 40 Jahren die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen war, aus dem Fenster zu schauen. Man legte sich ein Kissen auf die Fensterbank, schaute und kam mit der Nachbarschaft ins Gespräch. Heute werden oft mehrere Dinge gleichzeitig erledigt – und sei es, genau dann ins Fitnessstudio zu gehen, wenn dort gerade die Lieblingsserie läuft.

Als „Zeitfresser“ und „Zeitkrankheiten“ entlarvt Birgit Sych Unterbrechungen, die oft sogar dazu führen, dass eine Tätigkeit ganz abgebrochen wird („Wenn ein Teenager mit Ihnen redet, dann ist das eine Gnade – lassen Sie sich nicht vom Telefon unterbrechen; nachdem Sie fertig sind mit telefonieren, wird er nicht mehr mit Ihnen sprechen.“), Aufschieberitis („Ich kann die Steuererklärung gar nicht machen, weil ich dazu unseren Esstisch benötige. Und der wird, wie der Name schon sagt, zum Essen benötigt, dann werden dort Hausaufgaben angefertig und manchmal auch Spiele gespielt – kaum vorstellbar, wenn eine der wichtigen Quittungen plötzlich in einem Latein-Vokabelheft verschwinden würde.“), Perfektionismus und die Ja-Sager-Krankheit: Na klar, man hat so viel um die Ohren, dass man auf keinen Fall am Elternabend als Elternbeirat zur Verfügung steht – und plötzlich merkt man, wie der eigene Arm sich ganz von allein in die Höhe hebt und obwohl man doch gerade innerlich ein entschlossenes Nein formuliert hat, hört man sich plötzlich sagen: „Ja, ich – ich mache das doch gern.“ Gerade für diesen Fall empfiehlt sie, das Nein-Sagen einfach mal zu üben. Als sie vom Pfarrer gebeten wurde, ein Fest zu organisieren, hat sie einen Kompromiss gefunden. Sie sagte zu ihm: frag bitte zuerst diese drei Leute, die ich dir jetzt nenne – wenn keiner von denen zusagt, werde ich das Fest organisieren. – Gleich die erste Frau war erfreut, gefragt worden zu sein. Und Frau Sych hatte einerseits nicht den Stress, die Aufgabe erledigen zu müssen und andererseits hatte sie an Respekt gewonnen. Und das empfiehlt sie auch den Zuhörerinnen: öfter mal „Nein!“ sagen.

Für den Heimweg gibt sie noch als Aufgabe mit, den Nachmittag mit einer Herzenstätigkeit zu verbringen. Etwas, was Freude macht und nicht in Effizienz gemessen werden muss. Auch hierfür hat sie wieder ein Beispiel aus ihrem eigenen Leben parat: einmal ist sie mit ihren Töchtern in ein Schuhgeschäft gegangen und sie haben dort eineinhalb Stunden lang die verrücktesten Schuhe anprobiert, die sie nie kaufen würden. Aber sie hatten unheimlich viel Spaß und erinnern sich immer wieder gern an diesen Nachmittag zurück.

Was wirst du gleich lustiges, verrücktes, schönes tun?

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„Wir nehmen uns selbst zu ernst.“ Ein Interview mit dem Autor Stefan Nink.

Am Rande der Lesung zu „Donnerstag im Fetten Hecht“ am 3.4.2014 in Bad Hersfeld hatte ich die Gelegenheit, den Autor Stefan Nink zu interviewen. Während der Leserunde zu diesem Buch im letzten Jahr bei http://www.lovelybooks.de hatte ich schon den Eindruck, dass hinter den Geschichten von „Schatten“, Siebeneisen und Wipperfürth ein sehr sympathischer und offener Mensch steckt. Dies hat sich im persönlichen Gespräch bestätigt.

M: Erst einmal vielen Dank für das Interview. Als Reisejournalist und Autor von Büchern, bei denen es schwerpunktmäßig um das Reisen geht – nutzt Du auch die Lesereisen dazu, neue Eindrücke zu sammeln oder erlebst Du nur den Veranstaltungsort und das Hotel?

S: Also ich reise mit der Bahn und versuche immer so anzureisen, dass ich noch ein bisschen was von dem Ort mitbekomme. Ich war gestern in Zweibrücken, das liegt an der Grenze zu Frankreich in der Südwestpfalz. Ich bin früh heute Morgen losgefahren, war ungefähr um 13:00 Uhr hier und bin noch mal zwei Stunden rumgelaufen. Das versuche ich schon zu machen, weil es oft auch Städte und Orte sind, wo ich sonst nie hinkomme und die sich oft auch als total schön entpuppen – mit einer tollen Landschaft drumherum. Ich versuche schon, mir mehr anzuschauen als die Buchhandlung und das Hotel, in dem ich bin. Manchmal geht es nicht anders, manchmal sind die Distanzen einfach zu groß.

M: Hat Dir Bad Hersfeld schon Stoff für weitere Geschichten geliefert?

S: Nein. Aber das ist bei mir auch so, die Ideen kommen oft erst ganz viel später. Ich habe mir jetzt die „most famous Stiftsruine“ angeschaut. Das könnte schon sein, das so etwas hin und wieder irgendwo auftaucht. Aber es ist in der Regel bei mir nicht so, dass ich irgendwo bin und sage „Boah – das ist es jetzt!“ Aber oft bleiben doch so kleine Krümel und Fitzelchen hinten hängen und irgendwann tauchen die wieder auf und kommen dann irgendwo vor.

M: Deine Bücher und Reiseberichte sind ja sehr amüsant zu lesen. Was ist Dein Geheimnis, dass das Ganze dann nicht zu „platt“ wird?

S: Ich weiß gar nicht, ob ich ein Geheimnis habe. Ich finde, dass wir uns zu oft zu ernst nehmen, wenn wir reisen. Ich habe den Eindruck, dass wir Deutsche als reisendes Land oft sehr auf Kleinigkeiten fixiert sind und wenn die dann nicht funktionieren, ist gleich die Hölle los im Hotel. Das unterscheidet uns, glaube ich, so ein kleines bisschen von anderen Reisenationen. Und ich versuche halt immer, mich nicht zu ernst zu nehmen. Und die Bücher haben ja beide auch einen autobiographischen Touch. Siebeneisen ist natürlich eine eigene, lebende Romanfigur aber er hat schon relativ viel auch von mir, bzw. relativ viel, was ihm passiert, ist mir auch passiert. Ich finde, die Engländer können das sehr gut: sich selbst so ein bisschen hops zu nehmen. Uns mangelt es etwas daran. Ich habe das von Anfang an versucht, weil ich so etwas auch gerne lese. Ich habe gerne so diesen nicht so flachen, sondern ehern so ein bisschen diesen augenschmunzelnden Humor, wenn ich selbst lese. Und daher kommt es wahrscheinlich auch, dass ich selbst dann versuche, es so zu machen.

M: Du hast jetzt gerade die Deutschen als Reisende angesprochen. Wie siehst du Deutsche und andere Länder im Vergleich als Gastgeber? Gibt’s da Unterschiede?

S: Das kann ich jetzt gar nicht so einschätzen, weil ich ja doch die meiste Zeit des Jahres dann doch in Deutschland bin. Der Harald Martenstein hat das in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ sehr auf den Punkt gebracht. Der hat eine Kolumne auf Englisch geschrieben, weil er sich quasi an die wendet, die nach Deutschland kommen. Er sagt, er hat ganz viele Probleme mit Amerika als Land, von der NSA angefangen bis zu geopolitischer Kriegsführung – aber er findet, wenn man auf der Straße unterwegs ist und einen Amerikaner trifft, dann wird man total herzlich behandelt, es wird weitergeholfen, es wird gefragt, „Wie geht’s denn?“ und „Meine Familie kommt auch aus Deutschland“ – also so dieser freundschaftliche Smalltalk. Und ich glaube, wenn in Deutschland eine chinesische Reisegruppe den Weg verloren hat, dann bin ich mir nicht ganz so sicher, ob wir dann auch so freundlich reagieren, wie das viele andere uns gegenüber machen. Ich will das jetzt auch nicht pauschalisieren, da gibt es bestimmt auch Unterschiede. Aber im allgemeinen glaube ich schon, dass wir da so ein bisschen Defizite haben.

M: Was fehlt Dir am meisten, wenn Du auf Reisen bist?

S: Das ist eine gute und schwierige Frage. Na ja, ich hab schon so eine gewisse Heimatverbundenheit. Ich wohne ja halb in Mainz. Meine Freundin arbeitet in Hamburg, deshalb bin ich auch oft dort und bei beiden Orten habe ich halt so Sachen, wo ich – ganz simpel gesagt: wenn ich unterwegs bin und es ist Samstag und ich weiß, Mainz 05 spielt zuhause, dann fehlt mir, dass ich nicht dort sein kann. Das ist jetzt wirklich ganz platt und ganz simpel. Andere Leute sagen, Schwarzbrot oder irgendein besonderer Quark, den es im Ausland nicht gibt. Ich glaube, es sind bei mir – noch – eher die Kleinigkeiten, die mir fehlen, nicht das Große Ganze. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich das irgendwann mal ändert. Ich weiß, vielen älteren Reisenden fehlt dann das, was sie Heimat nennen und die machen es dann an einer Region oder Landschaft fest. Das ist bei mir noch nicht so, passiert vielleicht auch nie. Aber es sind schon so Kleinigkeiten. Ich finde, Heimweh, wenn wir die Frage mal darauf beziehen, das ist so ein Gefühl, das macht sich an den unterschiedlichsten Sachen fest. Ich bin aber auch nie so lang unterwegs, dass nicht absehen kann, wann ich wieder zuhause bin.

M: Wie bereitest Du Dich auf Reisen vor? Liest Du auch Reiseführer von anderen? Oder reist Du einfach drauf los und guckst, was passiert?

S: In der Regel bin ich schon ein penibler Vorbereiter. Was einfach damit zu tun hat, dass die meisten Reisen einen Sinn und Grund und Zweck haben und auch nur so und so lange gehen dürfen, weil der Verlag oder das Magazin, das mich losschickt auch nur ein begrenztes Budget hat. Und da sehe ich schon zu, dass ich so vorbereitet vor Ort ankomme, dass ich weiß, an dem Tag mach ich das, dann mach ich das… Aber innerhalb dieses Rahmens, der schon gewiss strikt ist, habe ich schon so Phasen, wo ich einfach auch mal Zeit für mich brauche, um mal irgendwo in einem Café zu sitzen in irgendeiner Altstadt und einfach mal nachzudenken: „Was hast Du jetzt eigentlich für die Geschichte, was fehlt Dir noch?“ Und einfach mal so zu gucken. Das sind oft die Momente, wo dann irgendetwas passiert – also mit mir. Nicht, dass da jetzt ein Tumult entsteht, sondern wo ich dann durch so Kleinigkeiten oft denke: „So könntest Du es machen. Guck mal da, die Frau oder der Mann oder das Haus – so könntest Du es machen.“ Das versuche ich schon, mir in diesem Gerüst so kleine Freiheiten zu lassen.

M: Wenn man Deine Bücher so liest, hat man ja den Eindruck, dass Du viele spannende Leute kennen lernst. Ist das alles so geplant oder ergibt sich das so oder muss man ein bestimmter Typ Mensch sein, um in eine Jurte eingeladen zu werden oder einen Maharadscha kennen zu lernen?

S: Ich glaube, das ist auch wieder so eine Mischung. Ein bisschen was ist schon geplant. Den Maharadscha brauchte ich – ich kannte keinen Maharadscha, wie alle wahrscheinlich keinen kennen. Und dann habe ich halt herausgefunden, die meisten haben ihre Paläste in Hotels umgewandelt und sind dort quasi Manager oder Generalmanager. Ich habe dann also bewusst in dem Hotel eingecheckt. Und dann passiert aber doch Vieles von selbst, wenn man ein bisschen offen ist. In dem Buch taucht das auch auf. Ich habe den Verwaltungschef für den Maharadscha gehalten – und der Maharadscha war der, den ich für den Gärtner gehalten habe. Und zwar einen ganzen Tag lang. Ich habe die beide mehrmals gesehen, war aber davon überzeugt, dass dieser fein angezogene Verwaltungschef der Maharadscha sein muss. Das war er aber nicht. Der Maharadscha war der, der mit der Baseballkappe und den Turnschuhen den ganzen Tag im Garten Rosen geschnitten hat. Das ist oft Zufall. Oft funktioniert es auch nicht. Aber davon liest man dann nicht. Ich glaube, eine gewisse Offenheit hilft bei so etwas. Auch, dass man ein Gefühl dafür hat, wo Grenzen sind. Dass man irgendwann sagt: „Vielen Dank für das Gespräch.“ Das fehlt einigen Leuten auch. Die wollen dann immer mehr und immer mehr. Und so ist es eine Mischung auch wieder aus zielgenau dort hingehen, weil ich weiß, ich treffe den Maharadscha nicht außerhalb des Palastes sondern da – und es dann einfach drauf ankommen zu lassen.

M: Letzte Frage: Wo machst Du Urlaub? Sind Deine Reisen Urlaub oder fährst Du dann lieber woanders hin? Oder bleibst sogar im Urlaub zuhause?

S: Urlaub mache ich in der Regel dort, wo meine Freundin gern mal hin möchte. Ich versuche auch, im Urlaub nicht zu arbeiten. Also nicht journalistisch irgendwelchen Themen hinterherzuhecheln. Ich schreibe mir dann abends doch manchmal etwas auf, aber ich richte Urlaubstage nicht aus nach irgendeiner journalistischen Aufgabe. Wenn ich beruflich unterwegs bin, dann sind das oft grotesk lange Arbeitstage, weil wir ja in der Regel quasi drei Jobs machen müssen als Reisejournalisten: wir müssen den Text bringen, aber mittlerweile auch oft Fotos und Videos. Da muss man halt nach Lichtsituationen gucken usw. Ich habe vor Jahren mal eine Buchprüfung gehabt vom Finanzamt und die wollten halt wissen: „Herr Nink, Sie sitzen den ganzen Tag rum…“ Da habe ich denen dann, für die Jahre, die sie haben wollten, so beispielhaft aufgeführt, was an so einem Tag passiert: angefangen von in den Ort fahren, drei Hotels angucken, mit drei Hotelmanagern reden für den Serviceteil der Reportage, checken, welche fünf Sehenswürdigkeiten sind die wichtigsten, dort wieder abfragen: „Wie viel Leute kommen denn bei Euch so im Jahr?“ Das ist oft ein ganz langer Tag mit ganz vielen einzelnen Terminen. Und das versuche ich im Urlaub aber komplett zu vermeiden.

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Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens

Huch – schon ein ganzes Jahr ist vergangen, seitdem ich zum letzten Mal gebloggt habe. Das soll sich jetzt wieder ändern. Ein paar Minuten sollten viel öfter dafür Zeit bleiben. Frei nach meinem aktuellen Lieblingszitat von

Astrid Lindgren: „Und dann muss man auch noch Zeit haben, einfach nur aus dem Fenster zu starren.“

Dafür natürlich auch. Und fürs Bloggen.

 

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Wilfried Bommert über die Landwirtschaft der Zukunft

Den ersten Vortrag des Tages (31.1.2013 – Zukunftswerkstatt tegut) hielt Wilfried Bommert. Er referierte über sein Buch „Kein Brot für die Welt – Die Zukunft der Welternährung.“

Früher glaubte man, dass die industrialisierte Landwirtschaft den Hunger in der Welt abschaffen könnte. Spätestens 2007 – während der ersten Welternährungskrise fing diese Vorstellung  an zu bröckeln. Die Nahrungsmittelpreise stiegen rasant an, Menschen protestierten, weil sie ihr täglich Brot nicht mehr bezahlen konnten, der Welthunger stieg dramatisch an und es zeigte sich, dass die industrialisierte Landwirtschaft eben nicht in der Lage ist

  • die Ressourcen zu schonen
  • das Weltklima zu erhalten und
  • die Welt zu ernähren.

Die Gründe hierfür sind, dass die industrialisierte Landwirtschaft die Fundamente der Nahrungsmittelproduktion (Boden, Wasser, Artenvielfalt, Klima) zerstört. Bereits heute sind 1/3 des Bodens verloren. Und das, obwohl Boden durch natürliche Kreisläufe regeneriert werden kann. Allerdings benötigen die oberen 15cm Boden, die für die Landwirtschaft am wichtigsten sind, 15000 Jahre, um sich zu regenerieren!

Beispiel Wasser: die Erde ist großflächig mit Wasser bedeckt.  Jedoch können nur 2,5% der Wasservorräte auf der Erde auch tatsächlich genutzt werden. 80% dieses Süßwassers werden in der Landwirtschaft zur Bewässerung eingesetzt. Und zwar mit veralteten Techniken, bei denen der überwiegende Teil gar nicht bei der Pflanze ankommt. Von 10 Litern Wasser erreicht gerade einmal 1 Liter die Wurzeln der Pflanzen.

50% des Grundwassers sind bereits verbraucht. Große Gebiete unseres Planeten leiden unter Wasserstress: das bedeutet, dass dort mehr Wasser abgepumpt wird, als die Natur nachliefern kann. Besonders schlimm ist die Situation in Indien: die Region leidet unter massivem Wasserstress, hat aber gleichzeitg das größte Bevölkerungswachstum (= weiter ansteigendender Wasserbedarf).

In der industrialisierten Landwirtschaft sind 95% der Arten von den Feldern verdrängt worden. Die übrigen 5% werden in Monokulturen angebaut und sind deshalb extrem empfindlich gegen Störungen von außen (z.B. Schädlinge). Artenvielfalt ist wichtig, um auch in Extremsituationen die Ernten zu sichern. Durch die unterschiedlichen Bedürfnisse und Empfindlichkeiten der verschiedenen Arten kann wenigstens ein Teil der Ernte eingefahren werden.

An der Klimazerstörung ist die Landwirtschaft unmittelbar beteiligt:

  • bei der Herstellung von synthetischen Düngemitteln wird sehr viel Energie verbraucht.
  • Urwälder werden gerodet.
  • Reisterrassen produzieren sehr viel Methan. Durch die Produktion von Treibhausgasen ist die Landwirtschaft mit einem Anteil von 25% am Klimawandel beteiligt. Der Klimawandel wird schätzungsweise dazu beitragen, dass bis zu 40% der Ernten nicht mehr sicher sein werden.

Die industrialisierte Landwirtschaft ist sehr energieintensiv 274 Liter Dieseläquivalent pro Hektar). Da Peak Oil (der Punkt der größten Ölfördermenge) bereits erreicht ist, werden die Preise immer weiter steigen – für Öl und dadurch auch für Lebensmittel. Stickstoffdünger wird künstlich hergestellt, die natürlichen Vorkommen an Phosphat und Kali werden irgendwann erschöpft sein. Dadurch ist damit zu rechnen, dass die landwirtschaftliche Produktion zurück gehen wird. Gleichzeitig vermehrt sich die Weltbevölkerung weiter und der Nahrungsbedarf wird dadurch deutlich ansteigen.

Die Landwirtschaft steht also unter dem Druck, sich verändern zu müssen:

  • Der Einsatz von energieintensiven Maschinen in Landbau und Transport muss verringert werden.
  • Nährstoffkreisläufe müssen wieder regional werden (Mist, Kläranlagen).
  • Die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern, muss erhöht werden.
  • Artenvielfalt muss wieder zugelassen werden.
  • Bereits vorhandene Methoden des Reisanbaus müssen verstärkt genutzt werden.
  • Die Menge der Nahrungsmittel, die als Viehfutter genutzt wird, muss verringert werden.

Die Klimabelastung muss halbiert werden und Wilfried Bommert geht davon aus, dass die Politik auch dafür sorgen wird, dass sie halbiert wird.

Für die Zukunft der Welternährung ist es entscheidend, dass die Bodenfruchtbarkeit gefördert wird, die Wasserreserven geschont und die Vielfalt als Puffer gegen Wetterextreme eingesetzt wird.

Die Zukunft ist regional und bäuerlich.

Zum Abschluss seines Vortrages bietet Bommert eine Wette an: er wettet, dass die Landwirtschaft in 10 Jahren nicht  mehr industrialisiert, chemisiert und globalisiert, sondern ökologisiert und regional sein wird.

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